Einfache Renderfarm mit After Effects

Wie kann ich meine After Effects-Komposition schneller rendern?

Die Frage stelle ich mir eigentlich jedes Mal wenn ich auf „Rendern“ drücke. Vor allem, wenn der fertige Film am nächsten Tag beim Kunden sein soll und das Programm angibt, dass die Komposition noch 22 Stunden rendern muss. Mehrere Computer ins Rendering einzubinden, hatte ich bisher auch noch nicht probiert und ich brauche es auch nicht ständig. Aber man kann mit wenigen Klicks einen oder mehrere Computer zusätzlich an einer Komposition rendern lassen. Man braucht nur einen weiteren oder mehrere PCs mit jeweils einer Installation von After Effects.

renderfarm

Mit mehreren Computern rendern!

Man kann mehrere Computer zusammen an einer Komposition rendern lassen. Bis einschließlich der Adobe CS6 hat man sowieso die Möglichkeit die Software mit einer Lizenz auf zwei Rechnern zu installieren. Wenn man schon in der Creative Cloud ist, hat man je nach Lizenz noch mehr Möglichkeiten. Ich beschreibe hier mal kurz und grob, wie mein Kollege und ich uns vor einer langen Rendernacht gerettet haben:

1. Computer via Netzwerk miteinander verbinden.

Geht auch über WLAN, ein kabelgebundenes Ethernet (LAN) ist jedoch sicherer und schneller.

2. Fertige Komposition an die Renderliste anfügen.

renderfarm_outputrenderfarm_dateien

Hier ein wichtiger Schritt: Wir müssen eine Bildsequenz (einzelne Bilder) in einen gemeinsamen Ordner rendern, damit die PCs untereinander sehen, welcher Frame schon gerendert wurde und gleich den nächsten rendern. *

Der zweite wichtige Schritt muss bei den „Render Einstellungen“ vorgenommen werden. Dort findet man unten im Fenster die Option, vorhandene Dateien zu überspringen. Diese muss angewählt sein.

Auch WICHTIG:

  • Der Ausgabeordner muss für alle eingebundenen Rechner im Netzwerk freigegeben (und nicht schreibgeschützt) sein.
  • Der Ausgabename sollte möglichst wenige Zeichen und keine Sonderzeichen (§$%&ÄÖÜ) enthalten. Z.B. Master_[#####].tga. Dann gibt es auf der Seite keine Probleme im Netzwerk.
  • Im Projekt verwendete Schriftarten müssen auf jedem Rechner installiert sein.

Nachdem alles am Hauptrechner eingestellt wurde, speichert man das Projekt noch ein mal und hat nun auch schon alle Einstellungen für die Netzwerkrechner im Projekt abgespeichert. Dann muss man die Schritte nicht bei jedem PC wiederholen.

3. Projekt-Ordner auf dem lokalen PC im Netzwerk freigeben.

Man kann auch den kompletten Projektordner auf den zweiten Rechner kopieren, aber das kostet auch Zeit und beschleunigt nicht unbedingt das Rendering selbst.

4. Projekt über Netzwerk öffnen

Mit den Netzwerk-PCs öffnet man jetzt das Projekt über den freigegebenen Ordner und überprüft den Ausgabeordner in der Renderliste. Es kann sein, dass man hier noch mal den Ordner separat angeben muss, in den die Komposition gerendert werden soll. Noch mal: Wichtig ist, dass alle PCs in den gleichen Ordner schreiben!

5. Rendern.

Bei allen Computern kann nun der Renderknopf geklickt werden und man sollte beobachten, dass vorhandene Frames übersprungen werden und das nächste Bild gerendert wird.

6. BOOM!

Das ist auf jeden Fall eine Lösung, die relativ unkompliziert und schnell einzurichten ist! Sie kann die Renderzeit stark beschleunigen, man sollte aber beobachten, dass zu viele Rechner das Netzwerk auch überlasten können und somit die Zugriffszeit in keinem Verhältnis mehr zur Renderzeit steht. 

 

* Fußnote: Ich würde sowieso fast immer Bildsequenzen empfehlen, da diese auch mal unterbrochen werden können und anschließend weitergerendert werden können – Ohne noch mal von vorne zu beginnen. Targa-Sequenzen mit verlustfreier RLE-Komprimierung sind dafür ideal und werden auch nicht übermäßig groß. Möglich ist natürlich auch JPEG oder TIFF zu rendern.
 

Noch zwei Tipps zum schnelleren Rendern:

Effekte und Auflösungen reduzieren

Natürlich sollte man zusehen, dass die Komposition keine unnötigen Effekte enthält und das benutzte Bildmaterial eine angemessene Auflösung hat. Wenn ich z.B. Material von der RED Epic (.r3d) mit einer Auflösung von 5120×2700 Pixel verwende, es in der Komposition aber auf 10% skaliert wurde und ich wahrscheinlich noch auf dem selben Clip einen Greenscreen rausgestanzt habe, dann verbraucht das kostbare Renderzeit. So einen Clip kann man sich auch in angemessener Auflösung und mit einem Alpha-Kanal für die Stanze „vorrendern“ und den Originalclip damit ersetzen. Das spart beim finalen Rendering meistens sehr viel Zeit.

Man sollte sich auch fragen, ob das Endprodukt z.B. mit Motion Blur (Bewegungsunschärfe) besser wird. Manchmal sind die Bewegungen so langsam, dass der Effekt gar nicht auffällt. Spart auch wieder viel Renderzeit.

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

2 Comments

on “Einfache Renderfarm mit After Effects
2 Comments on “Einfache Renderfarm mit After Effects
  1. Wäre es denkbar, die Render Engine auf einigen normalen Office Rechnern im Hintergrund laufen zu lassen? Könnten normale Büroprogramme (Microsoft Word, Outlook) ungestört weiter laufen?

  2. Es wäre auf jeden Fall möglich. Allerdings braucht man für jeden Rechner auch eine After Effects Lizenz, da die Creative Cloud die Nutzung unendlich vieler PCs nicht erlaubt. Soweit uns bekannt muss die vollständige Software laufen und es gibt nicht nur einen Renderer den man alleine laufen lassen kann. Um weiterhin mit der Bürosoftware weiterarbeiten zu können, kann man in den RAM/CPU Einstellungen in After Effects ausreichend Arbeitsspeicher und CPU-Kerne für andere Software reservieren.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *